Ich mache Dinge anders. Steffi Schöne
Gibt es einen Ideenbrunnen?
Seit 2002 arbeite ich selbstständig im Bereich Kunst und Design. Meine Ideen bekomme ich oft ganz unerwartet. In der Küche, beim Spazierengehen, auf dem Fahrrad.
Manche verblüffen mich selbst so sehr, dass ich lachen muss. Dann frage ich mich, wie ich darauf gekommen bin. Oder wie die Idee auf mich gekommen ist. Oder gibt es so etwas wie einen Ideenbrunnen?
Ideen sind flüchtig oder über jeden Zweifel erhaben
grabmalanders.de war letzteres. Sie kam mir 2016 bei der Einweihung der Jeanette-Wolff-Skulptur, mit deren Entwurf ich den ersten Preis eines bundesweiten Wettbewerbs gewonnen hatte.
Die begehbare Skulptur im Stadtzentrum von Dinslaken arbeitet mit einem magischen Effekt aus der Renaissance: einer übergroßen Zylinderanamorphose. Erst bei der Annäherung erscheint in einer spiegelnden Säule wie aus dem Nichts das schwebende Porträt von Jeanette Wolff.
Bei der Einweihung geschah etwas, mit dem ich nicht gerechnet hatte. Einige Menschen sahen das Porträt, konnten aber kaum glauben, dass es allein durch die Spiegelung eines abstrakten Bodenbildes entstand. Sie vermuteten eine digitale Projektion.
Für einen Moment war ich irritiert. Warum glaubten sie mir nicht? Dann begriff ich: Genau diese Lücke zwischen Sehen und Begreifen war das Faszinierende.
Und da war die nächste Idee.
Lässt sich dieser magische Moment ins Kleine übersetzen? Als persönliche Erinnerung für einen privaten Ort? Und wo gehört so etwas hin?
Auf den Friedhof.
Die Idee hatte mich gepackt. Zwei Jahre lang forschte ich an Form, Konstruktion, Verfahren, optischem Prinzip und Materialität. Heute wirken sieben Firmen daran mit, ein solches Grabmal in seinen einzelnen Teilen möglich zu machen. Dieses Zusammenspiel zu koordinieren und daraus individuelle Entwürfe zu entwickeln, gehört zu meiner Arbeit.
So entstand eine Form des Gedenkens, die dem schweren Stein etwas Leichtes entgegensetzt. Denn die Trauer wiegt oft schon genug.
Wie Kunst Zukunft gestalten kann
Ich habe Bildende Kunst bei Erwin Wurm an der Universität für angewandte Kunst Wien studiert. Dort bekam der Begriff Skulptur für mich neue Dimensionen. Und ich lernte, wie ein Wechsel der Perspektive mit Leichtigkeit neue Zugänge schaffen kann.
Das Ergebnis: eine Weltneuheit im Grabmaldesign. Aus Schramberg.
Gerade studiere ich noch einmal: ZukunftsDesign an der Hochschule Coburg. Mich interessiert, wie ich mit meinem künstlerischen Zugang den Blick auf Bestehendes verändern und daraus Ideen für eine neue Wirklichkeit entwickeln kann. Wie aus übersehenen Orten Begegnungsräume werden, aus festgefahrenen Strukturen neue Handlungsmöglichkeiten und aus guten Absichten etwas, das tatsächlich gelebt wird.
Was daraus entsteht, wird künftig unter schoene.design sichtbar.
Meine Basis ist Schramberg. Schwarzwald statt Berlin, Leipzig, Frankfurt oder Hamburg. Hier fahre ich mit dem Fahrrad durch die Wälder, finde Ruhe zum Arbeiten und habe verstanden: Ich bin ein Landkind. Mein Kopf darf hier einfach sein. Das bekommt ihm erstaunlich gut.
Ideen gibt es entsprechend viele. Schon allein aus Gründen der Mengenlehre kann ich sie kaum alle umsetzen. Vielleicht entsteht eines Tages ein Buch daraus. Ein Ideenfundbüro für Menschen, die gerade Energie übrig haben und einer herrenlosen Idee ein gutes Zuhause geben möchten.
Und wo bin ich sonst so? Gern in der Schweiz und seit zwanzig Jahren immer wieder in Portugal, meiner zweiten Heimat. Gute Freunde, Pferde, Caravan, nackte Erde unter den Füßen und die Weite des Atlantiks. Dort geht es mir manchmal wie den Menschen vor meiner Skulptur: Ich sehe es und kann es trotzdem nicht fassen. Herrlich.
Für den weltbesten Kaffee reicht erfreulicherweise der Weg auf den Sulgen.


